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6-Tage-Lauf in Erkrath (D)

Heute ging der 2. 6-Tage-Lauf in Erkrath (D) zu Ende, und es gibt einen tollen Erfolg für Österreich - und für die Falschen Hasen ;-)

Christian Chmel legte auf der 400-Meter-Sandbahn 727,84 Kilometer zurück und verbesserte damit nicht nur seine eigene Bestmarke aus dem Vorjahr um fast hundert Kilometer, sondern vor allem den österreichischen Rekord im 6-Tage-Bahnlauf um mehr als 74 Kilometer!

Man möge sich vor Augen halten, dass Christian durchschnittlich mehr als 121 Kilometer pro Tag gelaufen ist - eine wirklich beachtenswerte Leistung. Er erreichte damit den 5. Platz bei den Männern und den 7. Gesamtrang.

Genaue Infos gibt es hier.

Grüße,
Pascal Le Bail

Jetzt der Bericht von Christian:
Zum zweiten Mal hatte ich mich zum einzigen europäischen 6-Tage-Bahnlauf (144h) gemeldet. Nachdem ich 2004 (bei meinem ersten 144h-Lauf) bereits über 633 km gelaufen war, fuhr ich dieses Jahr mit einem ganz konkreten Ziel nach Erkrath: mindestens 654 km zu laufen und den bestehenden österreichen Rekord zu brechen. Dem zu Folge war ich auch ein wenig nervös, denn .... einfach "anzukommen" (mit 600 km oder so ähnlich....) wäre dieses Jahr etwas zu wenig.
Die Eckdaten der Veranstaltung: der Lauf wurde auf einer 400,355 m (exakt vermessenen und daher rekordtauglichen) langen Aschenbahn (rund um ein Fußballfeld) durchgeführt. Start war am 31.07.2005, Ziel naturgemäß nach 144 h am 06.08.2005, Pausen mussten von den Teilnehmern selbst eingeteilt werden, einzige Bedingung: täglich mussten 106 Runden (knapp 43 km) gelaufen werden, um in der Wertung zu bleiben. Konkrete Zulassungskriterien für die LäuferInnen gab es keine, jedoch sollte jede/r LäuferIn bereits Ultralauferfahrung haben. So waren von den 34 StarterInnen etwa die Hälfte absolute WeltklassekäuferInnen, zum Teil mit Landesrekorden in mehreren Disziplinen, (ehemalige) Mitglieder von Nationalmannschaften, Profis etc.....
Das Rennen selbst wurde unter starkem Regen, welcher die Bahn zum Teil unter Wasser setzte, gestartet. Im weiteren Verlauf des Rennens wechselten immer wieder starke Regenfälle mit sommerlichem Wetter ab. Allerdings gab es keine extreme Hitze wie im Vorjahr. Um mein angestrebtes Ziel zu erreichen, lief ich ich am erstenTag moderate 173 km (mit kurzen Ess- und Erholungspausen, am ersten Tag schon Schlafpausen einzulegen, wäre unnötig gewesen und hätte nur wertvolle Kilometer gekostet). Ab dem zweiten Tag machte ich dann (zuzüglich zu den Esspausen drei bis vier Mal pro Tag) eine Ruhepause von ca. 00.30 Uhr bis 05.00 Uhr im nahe gelegenen Hotel. So verbrachte ich im Tagesschnitt etwa 18 Stunden auf der Bahn (am ersten Tag etwas länger).
Die ersten 48 h bendete ich mit ca. 285 km und nach der Halbzeit, als ich bereits 404 km hinter mir hatte, war es bereits ziemlich sicher, dass meinem Ziel nicht mehr viel im Wege stehen würde (abgesehen von der Möglichkeit unvorhersehbarer, spontan auftretender Verletzungen).... 250 km für den neuen Landesrekord bzw. knapp 300 km für die 700-km, die ich mir (bei guten Laufbedingungen) ebenfalls vorgenommen hatte, würden zu schaffen sein. Konditionelle oder mentale Probleme sollten ohnehin kein Thema sein.
Die zweite Hälfte konnte ich also schon lockerer angehen und trotz der Anstrengungen (144h sind nicht so locker zu bewältien wie 24 oder 48) und der manchmal sehr unfreundlichen Witterung (Platzregen, Sturm,...) stand der Spaß (am Laufen und an der Veranstaltung) im Vordergrund, ...und ohne jedoch auch nur einen Augenblick mein (sportliches) Ziel aus den Augen zu verlieren, unterhielt ich mich mit anderen LäuferInnen und mit den Mitgliedern des Veranstaltungsteams und wir alle hatten reichlich Spaß..... Grotesker Weise konnte ich im Nachhinein erfahren, dass eine österreichische Zeitung am 05.08.2005 den Lauf mit den Worten "zwei Österreicher quälen sich bei 6-Tage-Lauf" oder so ähnlich kommentiert hatte ......aber Zeitungen sind eben so..... .....das Gleiche gilt für eine Berichterstattung auf irgendeiner Internetseite, wo sinngemäß geschrieben wurde, dass ich enttäuscht gewesen sein sollte, als ich einen bestehenden österreichischen 72h-Rekord (von ca. 414 km) nicht gebrochen hatte. Möglicherweise hatte ich davon gesprochen, dass es lustig wäre, den 72h Rekord gleich "mitzunehmen", aber mal ehrlich, warum sollte ich mich ernsthaft um einen Rekord (korrekterweise Bestleitung, weil die 72h auf der Straße gelaufen wurden, genaue Erklärungen dazu weiter unten*) bemühen, der ohnehin niemanden interessiert!
Während des Laufes kamen, wie schon gesagt, die Unterhaltungen mit den anderen LäuferInnen nicht zu kurz, es wurden immer wieder Späße gemacht und Erfahrungen ausgetauscht. Beeindruckt war ich z. b. von der deutschen Weltklasseläuferin Martina Hausmann, die am letzten Tag mit dem selben Tempo wie kurz nach dem Start unterwegs war und wer Martina kennt, weiß, dass sie auch nach Wochen !!! nicht langsamer läuft. Der Profiläufer Achim Heukemes, Vorjahressieger mit über 800km (möglicherweise etwas geschwächt von der Trans-Australia und dem Wüstenlauf in Namibia erreichte er dieses Jahr die 800er Marke nicht ganz) beeindruckte mich durch seinen sauberen Laufstil und seine Renneinteilung: entweder er lief oder pausierte, lange (und nach eigenen Angaben unproduktive) Gehpausen gab es kaum. Und obwohl er "nur" Dritter wurde, ist Achim für mich noch immer der "Chef" der deutschen Ultralaufszene. Auch mit den anderen LäuferInnnen, wurde (soferne die sprachlichen Barrieren nicht zu groß waren) fleißig Konversation betrieben.
Insgesamt verbrachte ich mit Lauffreunden und Mitgliedern des Veranstaltungsteams eine überaus eindrucksvolle und unterhaltsame Woche, perfekt organisert und mit bester Verpflegung. Einziger (aber auch nur subjektiver) Mangel: es gab im Rahmen der Veranstaltungsverpflegung nur alkoholfreie Getränke, da mussten schon manchmal, wenn der Spaß nachzulassen drohte, die mitgebrachten "Vorräte" aus dem Auto herhalten ......und als ich das Rennen mit 727,84 km (7. Gesamtrang, 5. Platz Männer, 2. M40) beendete, war ich vollauf zufrieden (obwohl vielleicht ein paar km mehr drin gewesen wären, die aber an der Platzierung nichts geändert hätten, wesentlich mehr wäre unter Umständen nur mit persönlicher Betreuung möglich gewesen). Ich hatte meine Ziele, den östrreichischen Rekord im 6-Tage-Bahn-Lauf mit über 700 km zu brechen, erreicht, der meines Wissens auch (absolute) Bestleistung über 144h ist (wurde, gleichfalls, wie mein im März aufgestellter Hallenrekord über 48h, der auch auf Straßenkursen von keinem/r ÖsterrreicherIn jemals überboten) wurde *)

Weitere ÖsterreicherInnen:
Hans-Peter Burger 142,53 km (vorzeitig abgebrochen) Manuela Resnik       449,19 km (österr. Bahnrekord über 144h)

Gesamtsieger wurde Claude Hardel (F) mit 923,21 km, die Damenwertung gewann Christine Bodet (F) mit 773,48 km, Ergebnisse, Fotos und weitere Informationen zur Veranstaltung gibt es unter www.cosibullig.de.

*) Für Interessierte kurz zur Erklärung: offizielle Rekorde werden immer getrennt nach Halle, Bahn und Straße unterschieden und Leistungen nur derselben Disziplin vergleichen. Unterscheidet man dann noch Alterklassen, kommen viele Rekorde zusammen. Von einer Bestleistung spricht man üblicherweise dann, wenn die absolute Kilometerzahl (bzw. die Zeit) nicht über- bzw. unterboten wurde, da werden dann durchaus z.B. auch Straßen- mit Bahnwerten verglichen.
Abschließend möche ich mich nochmals für eure e-mails bzw. euer Interesse an der Veranstaltung bedanken und den anderen Häsinnen und Hasen zu Ihren Erfolgen gratulieren, insbesondere natürlich auf diesem Wege auch Andrea Mayr herzliche Gratulation zu ihren Leistungen !
liebe Grüße an alle Häsinnen und Hasen
Christian Chmel