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Weltmeisterschaften im Skibergsteigen - Vertical, Piancavallo (IT) 1.3.

Andi berichtet:
Am Montag ganz fruah, da schmeißt sie die Schi
in ihr Auto und dann begibt sie si
nach Piancavallo und ned nach Zell am See,
weil durt in Italien ham's a no an leiwaundn Schnee...

Da saßen wir also am Montagmorgen im Auto auf der Anreise zu Andreas erst 4.Wettkampf im Skibergsteigen, und nach dem spontanen Erstversuch bei den österreichischen Meisterschaften voriges Jahr, den heurigen ÖM am Hochkönig und den Deutschen Meisterschaften beim „Jennerstier“ in Berchtesgaden (Bericht folgt noch) sollten es nun gleich die Weltmeisterschaften sein, für die Andrea aufgrund ihrer hervorragenden Leistungen (sie hatte die letzten beiden Rennen mit Riesenvorsprüngen gewonnen) kurzfristig vom ÖSV nominiert worden war.

Ihre Technik hatte sich dank einer intensiven Trainingseinheit mit Andi Ringhofer, selbst ehemaliger Spitzenlangläufer, Skibergsteiger und auch im Berglaufnationalteam, deutlich verbessert und wegen des kalten Winters und der guten Schneelage waren auch viele Trainings mit den nagelneuen ultraleichten Skiern in und um Gmunden möglich. Ringo hatte auch dafür gesorgt, dass Andrea seit einigen Wochen mit konkurrenzfähigem Material ausgerüstet war.

Am späten Nachmittag kamen wir in Piancavallo an, einem kleinen vor ca. 40 Jahren aus dem Boden gestampften Retortenskiort in den Friauler Dolomiten. Gleich machten wir uns auf die Streckenbesichtigung - während Andrea diese in gewohnt hohem Tempo absolvierte und ich Mühe hatte, zu Fuß einigermaßen in Sichtweite zu bleiben, gingen es die anderen Teammitglieder wesentlich gemütlicher an. Die Strecke erwies sich als ziemlich flach, nach einem ganz kurzen ersten Steilhang folgten flachere Serpentinen auf einem Weg neben der Piste, dann ein relativ steiles Stück auf der Piste, wieder ein Flachstück, erneut Serpentinen außerhalb der Piste und gegen Ende sogar eine kurze Abfahrt (ungewöhnlich für ein Vertical-Rennen). Ein ziemlich flacher Zielhang beschließt die 3,3 km lange Strecke mit ihren ca. 520 Höhenmetern.

Für Dienstag war schlechtes Wetter vorhergesagt, und so fuhren bzw. gingen wir noch einmal die Strecke gleich nach dem Frühstück ab. Eine gute Entscheidung, denn am späten Vormittag begann es zu schütten und hörte bis spät in die Nacht nicht mehr auf. Es goss wie aus Kübeln und wir fragten uns, ob nicht die ganze Piste davonschwimmen würde. Tat sie erstaunlicherweise nicht, in der Nacht kühlte es wieder ab und am nächsten Tag gab es sogar Sonnenschein und fast perfekte Bedingungen. Am Vorabend wurden überall noch Materialschlachten zelebriert, da wurden Felle und Ski präpariert und gewachst, sogar Schuhe imprägniert, damit kein Schnee daran haften bleibt und wir sahen erstaunt zu. Zum Glück halfen einige Teamkollegen Andrea bei den Materialvorbereitungen, ließen sie aber gleichzeitig wissen, dass es durchaus noch leichtere Ski gebe als die ihren.

Am Mittwoch sollten die Damen um 11.35 Uhr starten, da aber das Ziel noch nicht aufgebaut war, wurde der Start um eine halbe Stunde verschoben. Ich lief schon vor und postierte mich auf einem Steilhang oberhalb der Strecke. Andrea war wieder extrem nervös, fürchtete sich vor dem Durcheinander und der Hektik beim Start und hatte Angst, mit den ihr völlig unbekannten internationalen Konkurrentinnen bei einem schnellen Start und in den Flachstücken technisch nicht mithalten zu können. Als internationaler Neuling ohne Weltcuppunkte wurde sie in der Startaufstellung sehr weit nach hinten gereiht und musste aus der 3. Reihe, ca. 10 Meter hinter den Ersten starten. So versuchte sie, schnell wegzukommen und zog gleich einmal an einer großen Menge von Läuferinnen vorbei, steckte dann aber etwas fest. Um in der dichten Gruppe schneller nach vorne zu kommen, wich sie in den tiefen Schnee am Pistenrand aus und schaffte es so, ganz außen schnell bis auf den 2. Platz vorzustoßen. Sie wollte sich hinter der Führenden einordnen, merkte aber, dass das Tempo nicht sehr hoch war, und beschloss, selbst an die Spitze zu gehen. Zu meiner großen Überraschung zog sie ca. 3 Minuten nach dem Start bei mir tatsächlich als Erste vorbei, hinter ihr die Schweizerin Maude Mathis und danach bereits eine Lücke von ca. 20 Metern!

Ich feuerte Andrea begeistert an, machte ein paar unscharfe Fotos und mich selbst auf den Weg nach oben. Über die steile Piste kürzte ich die Serpentinen ab und konnte Andrea etwa 5 Minuten später wieder treffen. Meine Begeisterung war noch größer, als ich sah, dass sie sich auch schon von der Zweiten gelöst und einen Vorsprung von ca. 15 Sekunden herausgearbeitet hatte. Auf dem nun flachen Streckenabschnitt konnte ich ein wenig mit Andrea mithalten und brüllte ihr alle notwendigen Informationen zu. Nach ca. 18 Minuten Laufzeit bog Andrea auf den nächsten Serpentinenabschnitt weg und hatte zu diesem Zeitpunkt schon knapp 30 Sekunden Vorsprung! Die Schweizerin hinter ihr wurde nun von der Schwedin Emelie Forsberg und einer Französin angegriffen. Das aber bemerkte Andrea vorne gar nicht. Auf den Serpentinen nahm sie sicherheitshalber ein wenig Tempo heraus, um noch Reserven für die letzten Minuten zu haben. Ich bog erneut auf die Piste ab und quälte mich einen extrem steilen Schihang hinauf. Das war äußerst anstrengend, bescherte mir aber eine neuerliche Abkürzung der Wettkampfstrecke und ein zweites Wiedersehen mit Andrea am Beginn des flachen Zielhanges. Soeben hatte sie die (zum Glück sehr kurze) Fellabfahrt sturzfrei und ohne groben Fehler gemeistert und strebte jetzt mir Riesenschritten dem Ziel entgegen! So schnell, dass ich ich nicht einmal im Laufschritt folgen konnte.

Der Sprecher war ganz perplex, als die in der internationalen Skibergsteigszene völlig unbekannte Neueinsteigerin aus Österreich mit großem Vorsprung ungefährdet über die Ziellinie stiefelte! Die Freude war riesig und der Jubel (jedenfalls bei uns und den Österreichern) wollte kein Ende nehmen! Andrea hatte für den österr. Skibergsteigerverband die erste Goldmedaille in der Allgemeinen Klasse überhaupt geholt!!! Mit 33 Sekunden Rückstand kam die Schwedin Emelie Forsberg ins Ziel und nach 59 Sekunden die drittplatzierte Französin.

Im Ziel wurde die Ausrüstung abgewogen und kontrolliert (hier gibt es strenge Regeln und Gewichtslimits), dann folgten schon die flower-ceremony, Interviews und danach die Abfahrt ins Tal. Großes Lob und teils ungläubiges Staunen begleiteten Andrea bis zur Siegerehrung, die um 18 Uhr im „Zentrum“ von Piancavallo stattfand. Sie dauerte ganz schön lang und wir froren bei Temperaturen unter Null Grad ordentlich. Aber das war vergessen, als Andrea aufgerufen wurde und die Goldmedaille und ihre Preise auf dem Stockerl entgegennahm. Und wenn auch die italienische Hymne einfach besser klingt, so wurde es uns bei der österreichischen doch wieder ein bissl warm ums Herz...

Und dann, kurz nach halb acht, ist das Abenteuer Weltmeisterschaften in einer Wintersportart für Andrea auch schon wieder vorbei, und...

...am Mittwoch auf'd Nacht, da schmeißt sie die Schi
in ihr Auto, und dann kommt auch sie,
und sie schau' no amoi aufe und denkt si "aber wo"
I foar' heit no z'Haus, i bleib' nimmer länger do.

Ging auch nicht, denn Donnerstag Früh um 7 Uhr hieß es schon wieder antreten zum Dienst im Gmundner Krankenhaus. Kurz vor 1 Uhr Früh waren wir daheim und kurz war auch der Schlaf bis zum nächsten Morgen. Aber Weltmeisterin sein ist halt trotzdem so ziemlich des Leiwandste, wos ma si nur vurstöll'n ko.

Fotocredits:
die guten: Willi Seebacher
die unscharfen: ich

Andrea besichtigt die Strecke das Team Materialschlacht mit Outdoor-Legende und Weltmeister Kilian Jornet kurz vor dem Ziel nur noch 3 Schritte! geschafft! da kommt die Zweite! Weltmeisterin! Kontrolle im Ziel flower ceremony nicht nur der (Mann im) Mond schaute zu Siegerehrung jquery html lightboxby VisualLightBox.com v6.1