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PizTriVertical Malonno (I) 4.8.

PizTriVertical Malonno (I) 4.8.

Kein Wochenende vergeht momentan ohne Gipfelsturm, und da diesen Samstag die 2. Station des Berglaufweltcups auf dem Programm stand, packten wir unsere Sachen und machten uns auf eine diesmal sehr weite Reise: Hatte sich unsere Begeisterung und Freude an der Teilnahme am Megaevent und „Mythos“ Großglocknerlauf, der 1. Sation des Weltcups, einigermaßen in Grenzen gehalten, so war die Vorfreude auf das bevorstehende Rennen in Italien umso grĂ¶ĂŸer. In Malonno, das zwischen Bergamo und Brescia liegt, wurde der italienische Berglauf quasi erfunden und gilt dort, so wie in der ganzen Region als Volkssport. Die BerglĂ€ufer werden verehrt und gefeiert, auch wenn sie, wie Andrea, keine Italiener sind. Nirgendwo (und schon gar nicht in Österreich) wird sie derart respektiert, geschĂ€tzt und gefeiert, ĂŒberall wird sie auf der Straße erkannt, will man Fotos von ihr machen, freut man sich, dass sie da ist. In den VorankĂŒndigungen und Berichten wird „la Mayr“ sogar als „die Kaiserin“ bezeichnet!

So nahmen wir also die weite Fahrt bei bis zu 38 Grad Hitze in unserem klimaanlagenlosen Auto hochmotiviert in Angriff, obwohl wir am Freitag erst gegen 12 Uhr Mittag starten konnten, weil Andrea nicht frĂŒher aus dem Dienst im Spital gehen konnte. Sie hatte zuvor noch eine HĂŒftprothese einbauen mĂŒssen und da kann man halt nicht mittendrin aufhören


Nach etwa 5 Stunden Fahrt machten wir eine kurze Pause auf einem Rastpaltz an der Straße. Als ich zurĂŒckschob, um ordentlich einzuparken, stieß ich mit dem rechten Hinterreifen gegen den Randstein. Es gab einen lauten Knall und sofort war mir klar, dass sich unsere Anreise deutlich verzögern wurde: ich war exakt auf die Spitze eines abgebrochenen Randsteins gefahren, was einen kapitalen Reifenplatzer zur Folge hatte. 3 der 5 Radmuttern konnten wir mit dem mickrigen RadmutternschlĂŒssel aus dem Bordwerkzeug noch lösen, fĂŒr die beiden wirklich fest angezogenen reichte der aber nicht mehr aus. Also versuchten wir, ein Auto anzuhalten und hatten RiesenglĂŒck: Nach wenigen Minuten blieb ein Einheimischer stehen, der mich in seinem Auto bis zu einer großen Reifenwerkstatt im nur 3 km entfernten nĂ€chsten Ort mitnahm, der Besitzer der Werkstatt fuhr höchstpersönlich mit seinem Auto und einem ordentlichen SchlĂŒssel wieder zurĂŒck, montierte mit uns den Ersatzreifen, dirigierte uns dann zu seiner WerkstĂ€tte, wo er einen gleichartigen gebrauchten Reifen in seinem Lager suchte, statt des geplatzten auf die Felge montierte und so unser Auto wieder in den Zustand vor meinem missglĂŒckten Einparkmanöver versetzte! FĂŒr die ganze Arbeit verlangte er schlussendlich nur 15 Euro! Über so viel Hlfsbereitschaft und GlĂŒck im UnglĂŒck konnten wir nur staunen und setzten so unsere Fahrt mit nur einer knappen Stunde Verzögerung fort.

Gegen 7 Uhr Abend kamen wir in Malonno an, gingen noch ein wenig auslaufen und nahmen ein angenehm abkĂŒhlendes Bad im Fluss.

Am nĂ€chsten Morgen brachte uns der Shuttlebus zunĂ€chst zum Startort, einem kleinen Dorf auf 822 Meter Seehöhe oberhalb von Malonno. Das Damenrennen wurde zuerst um 10.30 Uhr gestartet, und es war sehr gut besetzt: Neben Andrea waren die besten italienischen BerglĂ€uferinnen am Start, 2 Britinnen und Purity Gitonga aus Kenia, die 2. des Großglocknerlaufs. Ich war dann mit den restlichen MĂ€nnern eine halbe Stunde spĂ€ter dran. Am Start war es schon sehr heiß, ich konnte Andrea noch auf den ersten 3 Minuten zuschauen und anfeuern und sah, dass sie gleich die Initiative ergriff und sich schon ein wenig von den Gegnerinnen absetzte. Die Strecke begann gleich fĂŒrchterlich steil und wurde eigentlich nie mehr wirklich flach: Kein Wunder, denn ein Verticalrennen, hier als „KV“ (kilometro verticale) ausgetragen, geht ĂŒber exakt 1.000 Höhenmeter bei nur etwa 3,5 km LĂ€nge. Da kommt schon eine ordentliche Steigung zusammen. Technisch waren die steilen Wege auch nicht einfach zu laufen, und immer wieder ging es ĂŒber schrĂ€ge, sehr holprige und löchrige Wiesen. Gelegenheit zum Erholen gab es so gut wie gar nicht, mit Ausnahme eines knapp 100 Meter langen FlachstĂŒcks kurz vor der HĂ€lfte. Andrea hatte sich aber trotzdem (oder gerade deswegen) schon bald von allen anderen abgesetzt und nach 2/3 des Rennens bereits einen Vorsprung von 2:40 min!

Als der Startschuss fĂŒr mich fiel, lagen nur noch 8 Minuten, als knapp 200 Höhenmeter, vor Andrea. Ich begann vorsichtig und war gleich mal ziemlich weit hinten. Da der Berglauf hier nun mal Volkssport ist, gibt es so gut wie keine wirklich schwachen oder langsamen LĂ€ufer und auch keine „Event- und Erlebnissportler“ (ĂŒbrigens: das Startgeld betrug, wenn man auf das Starterpackage verzichtete, 5 Euro, sonst 10). Langsam konnte ich mich ein wenig vorarbeiten, war aber schon nach wenigen Minuten am Limit und im roten Bereich. Das geht aber bei einer so steilen Strecke gar nicht anders. Jedes Überholmanöver kostete enorm viel Kraft, aber es musste einfach immer weiter gehen. Das Problem mit den Überholmanövern hatte derweil Andrea nicht, da hat sie die bessere Taktik: Einfach vorneweg und die Position nicht mehr hergeben! Werd ich nĂ€chstes Mal auch versuchen!

WĂ€hrend Andreas Verfolgerinnen um die Platzierungen kĂ€mpften, erreichte sie bereits den Schlussanstieg, von den Italienern ehrfurchtsvoll als „il leggendario muro finale“ bezeichnet. Da stellt sich wahrlich eine Mauer auf, denn die unebene Almwiese hat zum Schluss eine Steigung von 50%! Andrea war nahezu die Einzige, die diesen Abschnitt aufrecht laufen konnte! Nach 38:11 min passierte sie den Zielbogen auf der malga (=Alm) Campel und pulverisierte damit den bisherigen Streckenrekord um zweieinhalb Minuten! Riesig war die Begeisterung der zahlreichen Zuschauer auf der Alm in 1.822 Meter Höhe, Andrea wurde frenetisch gefeiert, obwohl sie die beliebte Lokalmatadorin und Heldin Valentina Belotti deutlich abgehĂ€ngt und auf Platz 2 verwiesen hatte. 4:38 min musste Andrea auf Valentina im Ziel warten!

Als Valentina ins Ziel kam, hatte ich die ersten 250 Höhenmeter hinter mir. Ich hatte mich, wie die meisten anderen um mich, hauptsĂ€chlich aufs Gehen verlegt und setzte nur gelegentlich noch ein paar Laufschritte dazwischen. Etwa in der Mitte des Feldes schraubte ich mich mit einem Kilometerschnitt von ĂŒber 14 Minuten (das sind heiße 4,2 km/h) nach oben. Auf den letzten 150 Höhenmetern kam mir Andrea entgegen. Ihren Anweisungen: „große Schritte!“, „schneller!“, „nicht ĂŒberholen lassen!“ konnte ich wegen akuten KrĂ€ftemangels nicht mehr befolgen. Auf dem Schlussanstieg nutzte mir auch die Krabbeltechnik nichts mehr, ich konnte kaum noch einen vernĂŒnftigen Schritt setzen und taumelte und rutschte durch die Gegend. Wieder verlor ich auf den letzten Sekunden noch einige PlĂ€tze, dummerweise auch ganz knapp den 3. Platz in meiner AK. Nach 49:21 min kroch ich endlich als 49. von 95 Startern ins Ziel. Von den 28 Frauen aus dem ersten Rennen waren 9 schneller als ich.

Im ZielgelĂ€nde war alles fĂŒr ein großes Fest vorbereitet, Essen und GetrĂ€nke aufgetischt, sogar Weinflaschen standen auf den Tischen. Leider konnten wir dieses Angebot nicht nĂŒtzen, da Andrea sofort nach der flower ceremony zur Dopingkontrolle nach unten musste. Mit dem Auto wurden wir also ĂŒber die holprige steile Forststraße leider zu frĂŒh schon nach unten gebracht. So konnten wir die tolle Aussicht nur ganz kurz genießen. Das hĂ€tten wir ĂŒbrigens in Anbetracht des uns vom Veranstalter zur VerfĂŒgung gestellten Hotelzimmers gerne lĂ€nger getan: dieses erwies sich nĂ€mlich als ausgesprochen aussichtslos, blickte man doch vom einzigen Fenster direkt auf eine knapp 2 Meter entfernte dunkelgraue Betonwand, sodass es auch untertags im Zimmer stockdunkel war


Nach der Dopingkontrolle machten wir noch einen Spaziergang am Fluss Oglio (statt des Auslaufens) und kĂŒhlten uns noch einmal am Wasserfall ab. Es war ja immer noch extrem heiß.

Am Abend stieg dann im Ort eine riesige Siegerehrung, hier wurde noch einmal die unglaubliche Berglaufbegeisterung in dieser Region spĂŒrbar: Mindestens 1.000 Zuschauer feierten die Athleten und es gab eine große Party. Andrea bekam ihre Preise und nach Pizza, Berglaufbier (gab es wirklich!) und Eis fielen wir todmĂŒde ins Bett. Am nĂ€chsten Morgen liefen wir noch ein paar km am Fluss entlang, frĂŒhstĂŒckten und machten uns dann auf die nicht ganz so lange Heimreise: Denn diesmal haben alle 4 Reifen gehalten.

Andreas Zieleinlauf im Video: https://www.youtube.com/watch?v=JWSlyDq_lbU